Die aktuellen Berichte und das Gespräch mit der Kinder- und Jugendpsychiaterin Kathrin Sevecke in der ZIB 2 machen deutlich, wie tiefgreifend sexueller Missbrauch die Seele eines Kindes verletzen kann. Sevecke betont dabei, dass es kein einzelnes, eindeutiges Zeichen gibt, an dem sich Missbrauch erkennen lässt. Veränderungen können sich sehr unterschiedlich zeigen. Was Kinder in solchen Situationen brauchen, ist vor allem Sicherheit, verlässliche Bezugspersonen und professionelle Unterstützung.
Genau hier kann Kinderpsychotherapie ansetzen. Kinder können belastende Erfahrungen häufig noch nicht in Worte fassen. In der Therapie bekommen sie deshalb einen geschützten Raum, in dem sie sich mit ihren Gefühlen und Erlebnissen auf ihre eigene Weise auseinandersetzen können – im Gespräch, im Spiel, über kreative Ausdrucksformen und über altersgerechte therapeutische Methoden.
Dabei geht es nicht darum, ein Kind zum Erzählen zu drängen. Es geht darum, Vertrauen aufzubauen, Sicherheit zu vermitteln, Ressourcen zu stärken und dem Kind wieder ein Gefühl von Selbstwirksamkeit zu ermöglichen.
Denn: Kinder müssen mit belastenden Erfahrungen nicht alleine bleiben.
Psychotherapie kann ein wichtiger Ort sein, an dem ein Kind wieder erfahren darf: Ich werde gesehen. Ich werde ernst genommen. Ich bin sicher. Ich darf darüber sprechen.